Sammer spricht Klartext über den Kampfgeist im DFB
Matthias Sammer kritisiert den fehlenden Kampfgeist bei der deutschen Nationalmannschaft. Ex-Nationalspieler sieht in der Lustlosigkeit ein ernsthaftes Problem.
MÜNCHEN, 9. Juni 2026 — Eigener Bericht
Im deutschen Fußball hat der Kampfgeist einen hohen Stellenwert. Viele Fans gehen davon aus, dass die Spieler, die für das Nationalteam auf dem Platz stehen, diesen unbändigen Willen zu gewinnen mitbringen. Man könnte meinen, es handelt sich um eine Selbstverständlichkeit, schließlich sind sie in der Spitze ihres Sports angekommen. Doch Matthias Sammer, selbst Ex-Nationalspieler und mittlerweile als Experte unterwegs, wagt es zu behaupten, dass genau diese Tugend in der aktuellen Mannschaft vermisst wird.
Die gängige Meinung wäre, das Fehlen des Kampfgeistes sei ein vorübergehendes Phänomen, eine Passage im Kreislauf des Leistungssports, die bald überwunden ist. Sammer sagt jedoch, dass diese Annahme trügerisch ist. Er argumentiert, dass der Kampfgeist bei der Nationalmannschaft nicht nur eine Frage der individuellen Leistung ist. Vielmehr ist er ein Indikator für eine kulturelle Veränderung innerhalb des Teams und, wie er anmerkt, auch des gesamten DFB.
Ein kritischer Zustand
Eine der zentralen Argumente, die Sammer anführt, ist die Beobachtung, dass die Spieler oft ohne die nötige Leidenschaft agieren. In entscheidenden Momenten scheint der berühmte „Schalter“ nicht zu funktionieren. In der Vergangenheit warf man der deutschen Mannschaft oft vor, sie spiele nicht nur elegant, sondern auch effektiv und vor allem – kämpferisch. Dies ist ein Aspekt, den Sammer explizit anprangert. Es ist, als ob die Spieler in einer komfortablen Zone leben, anstatt für jedes Tor und jeden Ballbesitz zu kämpfen.
Ein weiteres Argument ist der Einfluss neuer Trainingstechniken und Taktiken, die zwar Fortschritte in der Spielkunst gebracht haben, jedoch auch zu einer Überbewertung der technischen Fähigkeiten geführt haben könnten, während der unbedingte Wille, für den Verein und das Land zu kämpfen, in den Hintergrund gerückt ist. Diese Entwicklung könnte der Grund sein, warum die Nationalmannschaft bei wichtigen Turnieren nicht mehr die gewohnte Siegermentalität an den Tag legt. Denn wie Sammer anmerkt, ist die psychologische Komponente des Spiels ebenso wichtig wie das technische Können.
Schließlich bezieht sich Sammer auch auf die viel gepriesene Nachwuchsförderung im deutschen Fußball. Während es formal viele Programme gibt, die Talente entdecken und entwickeln sollen, könnte man argumentieren, dass sie nicht die entscheidenden Werte vermitteln, die die Spieler benötigen, um auf höchstem Niveau zu konkurrieren. Die Tugenden des Kampfgeistes und der Teamgeist sind nach wie vor entscheidend, um im Sport erfolgreich zu sein. Hier könnten die Verantwortlichen verstärkt ansetzen, um die Spieler nicht nur technisch auszubilden, sondern auch in ihrer mentalen und emotionalen Stärke.
Allerdings muss man auch anerkennen, dass die kritischeren Stimmen nicht ohne Grundlage sind. Ja, es mangelt an einem gewissen Kampfgeist, das steht außer Frage. Doch die Gründe dafür sind komplex und vielschichtig. Der Druck, der auf den Spielern lastet, die ständige Medienberichterstattung und die hohen Erwartungen von Fans und Verbänden tragen ebenfalls zur Verunsicherung bei. Es ist also nicht nur ein Mangel an Wille, sondern auch die Frage, wie man in solch einem Umfeld bestehen kann.
Sammer hat mit seiner Kritik einen Punkt getroffen, der vielleicht mehr ist als ein einfacher Rant eines enttäuschten Ex-Spielers. Der Kampfgeist ist ein essentielles Element im Sport und wird oft als das Herzstück von Erfolg und Teamdynamik angesehen. In der gegenwärtigen Diskussion um den DFB sollte man sich bewusst machen, dass es nicht nur um technische Perfektion geht, sondern um die Rückkehr zu diesen grundlegenden Eigenschaften, die das Spiel so unberechenbar und faszinierend machen.
Es bleibt abzuwarten, ob die Verantwortlichen im DFB die nötigen Schritte unternehmen werden, um den Verlust dieser Werte zu verhindern. Bis dahin könnte der Aufruf von Sammer ein Weckruf sein, der mehr bewirken könnte, als man zunächst vermuten würde.